Das Carl-von-Stahl-Haus (Stahlhaus) am Torrener Joch ist eine direkt an der deutsch-österreichischen Grenze gelegene Alpenvereinshütte des Österreichischen Alpenvereins in den Berchtesgadener Alpen. Sie liegt auf 1.736 Meter Höhe am Torrener Joch unweit des Jenners zwischen Hagengebirge und Göllstock. Direkt benachbart und nur 5 Gehminuten entfernt liegt auf deutscher Seite das Schneibsteinhaus. Das Stahlhaus ist aufgrund der leichten Erreichbarkeit ein beliebtes Ausflugsziel von Wanderern und Tagesgästen, aber auch ein idealer Ausgangspunkt für Bergsteiger, die von hier aus größere Touren in den Göllstock oder über die Gotzenalm hin zur idyllischen Wasseralm im Röth unternehmen. Direkt gegenüber der Berghütte liegt der Schneibstein. Im Winter wird das Stahlhaus ebenfalls bewirtschaftet und ist vom Jenner (Skigebiet) über einen meist gespurten Weg leicht mit Tourenskieren oder Schneeschuhen zu erreichen. Es ist ein beliebter Ausgangspunkt für zahlreiche Skitouren in den Berchtesgadener Alpen, beispielsweise auf das Hohe Brett, auf den Schneibstein und weiter im Sinne der „Kleinen Reibn“ oder der „Großen Reibn“, einer mehrtägigen, anspruchsvollen Skiüberquerung bis zum Kärlingerhaus mit abschließender Abfahrt ins Wimbachtal.
Die Geschichte des Carl-von-Stahl-Hauses ist sehr bewegt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Ambitionen von Großgrundbesitzern, ganze Gebirge als ihr Privateigentum zu betrachten, immer größer. Dazu gehörten u. a. das Haus Habsburg mit seinem Thronfolger Franz Ferdinand. Immer mehr schien es, dass man die Bergsteiger vom Besuch der freien Natur abhalten wollte und konnte, wie das etwa im Blühnbachtal der Fall war. Da im Bluntautal ähnliche Verhältnisse drohten, kaufte der wohlhabende Justitiar der Alpenvereinssektion Salzburg, Dr. Eisendle, die obere Jochalm mit seinem Privatvermögen. Es kam der Erste Weltkrieg und die Jagd im Bluntautal wurde von der Krupp-Dynastie übernommen. Deren Vertreter standen den Alpentouristen wesentlich aufgeschlossener gegenüber und tauschten schließlich Grundbesitz am Torrener Joch gegen die Jochalm mit dem Alpenverein; dieser Tausch war für den Hüttenbau sehr vorteilhaft, da das Joch wesentlich günstiger gelegen war. Die Sektion Salzburg hatte sich mit anderen Hüttenprojekten übernommen und kein Geld mehr für einen neuen Hüttenbau. Da fand sich ein Auswanderer aus Österreich, Carl Stahl, der als Industrieller in Amerika in der Textilbranche zu einem Vermögen gekommen war. Er spendete der Sektion Salzburg das für den Hüttenbau notwendige Geld, und hatte auch Geduld, in Zeiten der Inflation immer noch eins draufzulegen. Die Einweihung seiner Hütte am 22. Juli 1923 erlebte er selbst nicht mehr, jedoch kam seine Witwe, eine jüngere Österreicherin, die er während eines Heimaturlaubs kennengelernt hatte.